Transformien

Lesezeit: 5 Minuten

Thema: Veränderung
Was ist Veränderung, wie kommt es dabei zu Widerstand und wie kann man damit umgehen?

 
Über die vereisten Straßen Stagnaziens

sind sie vor zwei Tagen auf dem alten Motorrad von Futrans Vater aus der Hauptstadt Lutin heraus geschlittert und kämpfen sich seitdem durch dichten feuchten Nebel, der ihnen die Sicht versperrt und durch die Kleidung kriecht. Futrans Finger sind eingefroren und Sensio ist über und über mit einer dünnen Eisschicht bedeckt. Der ewige Winter, der seit der Machtergreifung in Stagnazien herrscht, kommt mittlerweile über das Wandela-Gebirge und breitet sich auch in Richtung der anderen Länder aus. Endlich kann Futran in der Ferne Lichter erkennen. Sie fahren weiter und nach kurzer Zeit gelangen sie in eine bewohnte Gegend.

„Wir müssten jetzt in Transformien sein“,

bemerkt Sensio. Obwohl sie lange unterwegs waren, sieht es hier gar nicht so viel anders aus als in Stagnazien. Einige Menschen in den Straßen sind zwar bunter gekleidet als die Bevölkerung in Stagnazien und manche von ihnen haben sogar ein Lächeln im Gesicht, man kann jedoch deutlich erkennen, dass die Routine-Truppen bereits ihre Spuren hinterlassen haben. Die meisten Häuser sind grau und auch hier zieht der kalte Wind durch die Straßen, den sie aus Stagnazien nur zu gut kennen. Futran stellt das Motorrad auf einem Parkplatz ab und macht sich mit Sensio auf die Suche nach einem Ort, an dem er seinen knurrenden Magen füllen kann.

Sie laufen durch die Straßen und kommen an einem Autohändler vorbei, vor dem zwei Männer miteinander diskutieren.

„Aber sie sehen doch, dass das viel besser wäre!“, ruft der kleinere von beiden aufgebracht. Der andere Mann, offenbar der Autohändler, antwortet: „Ich habe Ihnen schon erklärt, dass das so bei uns nicht funktioniert!“ Der kleinere Mann versucht es erneut: „Aber Ihr Antrieb ist total veraltet, sehen Sie doch…!“, doch der Autohändler unterbricht ihn: „Sie haben mir das schon zigmal erklärt! Ich verstehe schon, Ihr neuer Ionenantrieb kann die Beschleunigung unseres Modells verbessern. Ich habe Ihnen aber auch schon zigmal gesagt, dass mir das egal ist. Wir verwenden keine Ionenantriebe. Das haben wir noch nie gemacht!“. „Das… Das ist doch kein Argument!“, stammelt der kleinere von beiden. „Hören Sie“, ruft der Autohändler, „Wenn Sie nicht gleich verschwinden, dann informiere ich das Imperium über Ihre Veränderungsabsichten!“ Der kleinere Mann gibt sich geschlagen und geht mit hängenden Schultern davon.

Futran und Sensio entdecken ein Restaurant und gehen darauf zu.

Auf den Fenstern wirbt es in großen Lettern mit der Aufschrift: „Transformiens gute alte Hausmannskost. Knödel und Rotkraut, wie schon die Uroma sie zubereitete. „So wie es aussieht, gibt es auch hier in Transformien kaum noch Neues oder überhaupt Veränderungen“, brummt Futran. Sie setzen sich und Futran bestellt eine große Portion Bauernfrühstück. Sensio wird auf einmal unruhig. „Ich spüre starken Stress in unserer Nähe. Jemand macht sich große Sorgen.“ Sie schauen sich um.

An einem Tisch in einer dunklen Ecke des Restaurants sitzt eine Frau,

den Kopf in die Hände gestützt und offenbar tief in Gedanken versunken. Sensio läuft auf sie zu: „Mir scheint, Sie stehen unter sehr großem Stress, gibt es etwas, das wir für Sie tun können?“ Die Frau hebt ihren Kopf und schaut Sensio und Futran, der seinem vorlauten kleinen Freund hinterhergeeilt ist, aus müden Augen verwundert an. „Woher wissen Sie, dass ich gestresst bin?“ „Entschuldigen Sie“, sagt Futran, „mein Freund Sensio hier kann die Stressbelastung der Menschen um ihn herum wahrnehmen und ist dazu meist noch sehr neugierig darauf, die Gründe dafür zu erfahren. Wir wollen Sie nicht belästigen!“ „Ist schon in Ordnung“ antwortet die Frau. „Ich bin in der Tat in großer Sorge. Woher kommt dieser Roboter? Er scheint mir sehr hoch entwickelt zu sein? Es ist doch eigentlich seit einiger Zeit verboten, neue IT oder künstliche Intelligenz zu erforschen und zu entwickeln!“ „Mein Vater hat ihn damals selbst gebaut, kurz bevor er…“, Futran bricht ab und die zweite Stresskurve auf Sensios Monitor macht einen Sprung nach oben. Sensio meldet sich wieder zu Wort: „Was bedrückt Sie denn so sehr, dass Sie hier sitzen und Trübsal blasen?“

„Ich bin die Veränderungsministerin.“

Futran und Sensio schauen sich mit großen Augen an. „Sind Sie die Ministerin, die es geschafft hat, aus Wandela zu fliehen, als der Stagnator das Land einnahm? Sie haben die Exilregierung in Transformien ins Leben gerufen!“, fragt Futran ungläubig. „Ja, die bin ich. Aber ich glaube langsam, dass meine ganze Mühe umsonst war“, antwortet sie und stützt ihren Kopf wieder in beide Hände, „in Transformien wird schon lange nichts mehr transformiert.“ „Warum sagen Sie das?“, fragt Futran. „Wisst ihr, hier geht mittlerweile auch nichts mehr voran. Wir haben versucht, Veränderungen durchzusetzen, aber die Bevölkerung stellt sich jedes Mal dagegen. Futran ist nachdenklich geworden. „Mein Vater hat auch schon immer gesagt, dass sich die meisten Menschen zu Beginn mit einer Veränderung schwertun, das ist ganz natürlich“. „Wer war denn dein Vater, das er darüber etwas wusste?“, fragt die Veränderungsministerin leicht skeptisch. Futran schaut sich nervös um, aber da platzt es auch schon aus Sensio heraus: „Na, der Präsident von Wandela.“ Die Veränderungsministerin verschluckt sich beinah an ihrem Getränk. „Du bist sein Sohn Futran?! Aber alle dachten, dass eure gesamte Familie den Routine-Truppen zum Opfer gefallen ist.“ „Sensio und ich konnten entkommen…“ „Wenn dein Vater hier wäre, könnte er uns sicher helfen“, seufzt die Veränderungsministerin. Futran flüstert nun:

„Ich habe im Radio von einer Gruppe gehört, sie nennen sich die Changer

und sie wollen uns vom Stagnator befreien. Wenn wir es schaffen, sie irgendwie zu erreichen, können sie uns vielleicht sagen, was Sie tun können.“ Ein lautes Räuspern hinter ihrem Rücken, lässt sie alle plötzlich zusammenfahren. Hinter ihnen steht der Wirt, der eben noch scheinbar gedankenversunken Gläser poliert hat und murmelt grimmig: „Sie sollten in der Öffentlichkeit nicht so laut über solche Dinge reden. Die Späher des Stagnators sind überall!“ Er hält ihnen einen Ausschnitt aus einer Zeitung hin. „Wenn Sie jemandem erzählen, dass sie es von mir haben, dann gnade Ihnen Gott!“ Er drückt Futran das Papier in die Hand und schlurft wieder hinter seinen Tresen zurück. Die Veränderungsministerin, Futran und Sensio beugen sich über den Zeitungsartikel aus der „Geheimen Veränderungs-Post“ mit dem Titel: Ein wenig Mut, Durchhaltevermögen und lebendige Kommunikation. Nachdem sie den Artikel gelesen haben, sagt die Veränderungsministerin

Lies hier exklusiv das Interview, das der Veränderungsministerin geholfen hat (PDF):

 
 
„Ich verstehe. Veränderungen können manchmal kompliziert sein…“

„Ja, aber Dinge verändern sich eben! Veränderung ist normal, wer sich gegen sie stellt wird auf lange Sicht verlieren“, ruft Futran. Abrupt steht die Veränderungsministerin auf. „Gut, dann versuchen wir es! Ich werde meinen Ministern gleich noch einmal erklären, worauf es ankommt!“ „Und wir reisen weiter, um die Changer zu finden. Sobald wir sie gefunden haben, schicken wir sie zu Ihnen, damit sie Transformien helfen können!“, sagt Futran. „Ich wünsche dir und Sensio viel Erfolg.“ Die Veränderungsministerin schüttelt Futran die Hand und geht schnellen Schrittes aus dem Restaurant. „Ich glaube, wir haben noch eine weite Reise vor uns“, sagt Sensio, „und ich glaube auch, dass du jetzt erstmal schlafen solltest, Futran. Du kannst deine Augen ja kaum noch offenhalten.“ Der Wirt hat seinen Kellner zu ihnen herübergeschickt. „Kommen Sie mit. In unseren Gästebetten hat schon der Urgroßvater des verstorbenen Königs gut geschlafen. Das war schon immer so und wird auch immer so…“ „Ja, ja“, unterbricht ihn Futran und er und Sensio folgen dem alten Mann zu den Gästezimmern.

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Veränderung verstehen, gestalten und begleiten

Dafür sind wir, das Communication Services Team der fme AG, Ihre Ansprechpartnerinnen. Dank unserer langjährigen Erfahrung im Change Management wissen wir, wie wichtig es ist, Veränderungen in Unternehmen bewusst und aktiv zu gestalten, damit sie von den Mitarbeitenden mitgetragen und integriert werden und so die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens gestärkt wird. Wir helfen Ihnen in den Bereichen Change Management, Coaching & Beratung und E-Learning. Bewirken Sie gemeinsam mit uns positiven Wandel in Ihrem Unternehmen!

Studierien

HAUPTSTADT: Scio

EINWOHNER: Anhand verschiedener Kopfbedeckungen kann man erkennen, welches „Lernlevel“ ein Studieraner bereits erreicht hat : Anfänger tragen Hüte in Form von Fragezeichen, Fortgeschrittene Hüte in Form von Ausrufezeichen und Experten tragen Doktorhüte.

GEOGRAFISCHE LAGE: Angrenzend an Dokumentistan und das Königreich der Stabilität

BESONDERHEITEN: Weltweit ist bekannt, dass man, wenn man einen Studieraner trifft, ihn oder sie (fast) alles fragen kann und man immer eine umfassende und gut informierte Antwort bekommt.

Die Studieraner sind die gebildetsten Menschen des gesamten Planeten Communicatio. Von ihrer frühsten Kindheit an verbringen sie viel Zeit damit, in Seminaren neue Dinge zu lernen. Da sich von Zeit zu Zeit immer wieder Regeln und Systeme in Studierien ändern und damit die Studieraner ständig an ihrer Auskunfts-Fähigkeit feilen können, ist es wichtig, dass sie regelmäßig an den neuen Seminaren teilnehmen. Aber auch auf dem Planeten Communicatio hat die Globalisierung Einzug gehalten: Die junge Generation Studierens möchte reisen und lässt sich in anderen Ländern nieder. Es wird zunehmend schwieriger sicherzustellen, dass alle an den Präsenzseminaren teilnehmen können. Die Bevölkerung ist besorgt: Wenn nicht mehr alle auf demselben Stand sind und keine neuen Dinge mehr lernen, wird das Land seine Vorreiterstellung als Quelle des Wissens bald verlieren. Wie kann das verhindert werden?

Königreich der Stabilität

HAUPTSTADT: Constantinam

EINWOHNER: alle sehr ordentlich, strukturiert, immer gut und unauffällig gekleidet

GEOGRAFISCHE LAGE: Angrenzend an Studieren und Dokumentistan; die Nähe zu Studieren sorgt dafür, dass neues Wissen immer wieder ins Land kommt

KLIMA: Ganzjährig heiter bis wolkig

SEHENSWÜRDIGKEITEN: Der große Königspalast der Stabilität, akkurat angelegte Städte und Dörfer

Das Königreich der Stabilität besteht schon seit Menschengedenken. Die Menschen leben seit jeher gut so, wie es eben schon immer war. Der alte König ist vor Kurzem verstorben und der Thronfolger ist jung und voller Tatendrang. Er möchte das Königreich der Stabilität zum „Königreich der Agilität“ umwandeln. Den Einwohnern geht das zu schnell.

TRANSFORMIEN

HAUPTSTADT: Trafo

EINWOHNER: Unscheinbar, ähneln immer mehr den Einwohnern Stagnaziens

GEOGRAFISCHE LAGE: im Westen das Wandela-Gebirge

KLIMA: Im Schutz des Wandela-Gebirges liegend, herrscht in Transformien eher gemäßigtes Klima. Die Ausbreitung der stagnierenden Mächte hat allerdings auch einen Einfluss auf die Jahreszeiten – der Winter hält bereits in vielen Teilen des Landes Einzug.

Als der Stagnator in Wandela (jetzt Stagnazien) die Macht übernahm, schaffte es ein kleiner Teil der Wandelaner, sich hinter das Wandela-Gebirge zurückzuziehen und eine neue Nation zu gründen. Allerdings bringen die stagnierenden Mächte mittlerweile nach und nach ihr zähes Gedankengut auch nach Transformien. Wer Veränderung wagt, muss nun damit rechnen, dass ihn die Spitzel des Stagnators an das Tyrannen-Regime verraten. Die Exil-Regierung beobachtet mit Schrecken, wie der Veränderungswille der Bevölkerung immer weiter schwindet. Das Land droht an seinem Stillstand unterzugehen und dem Stagnator in die Hände zu fallen.

Dokumentistan

HAUPTSTADT: File

EINWOHNER: Vom vielen Lesen und Sitzen in den Archiven sind die Dokumentaner merkwürdig bleich, eher papierfarben, die meisten tragen Brillen oder Monokel. zum Schutz vor der Sonne tragen sie Papierhüte.

GEOGRAFISCHE LAGE: Umgeben von riesigen Wäldern, die zur Papierproduktion verwendet werden

SEHENWÜRDIGKEITEN: Files Stadtarchive – sie sind bekannt für ihre besonders platzsparende Stapeltechnik

Dokumentistan gilt aufgrund seiner Lage als super sicherer Speicherort. Viele Länder haben deshalb ihre wichtigen Dokumente in den gewaltigen Archiven Files gelagert. Die Dokumentaner lieben ihre Sammlungen und versuchen, in ihrem Leben möglichst viele Dokumente zu lesen. Aber in den letzten Jahrzehnten wurden immer mehr Dokumente nach File gebracht. Das Archivsystem kann mit den Massen von Dokumenten immer schwerer umgehen und ist immer häufiger überlastet. Wenn es nicht bald von einem neuen System ersetzt wird, droht der Kollapse der Archive und damit der Untergang Dokumentistans. Die oberste Bibliothekarin experimentiert im Geheimen mit der Einführung eines neuen Systems. Aber wie werden die Dokumentaner reagieren?

Stagnazien

HAUPTSTADT: Lutin

GEOGRAFISCHE LAGE: Im Norden das Tal der Tränen, im Osten das Wandela-Gebirge.

EINWOHNER: Unglücklich und ängstlich, scheuen jede Veränderung, grau in grau gekleidet in der Mode von Vorgestern

KLIMA: ewiger Winter, denn als der Stagnator das Land einnahm, war es gerade Winter und das absolute Veränderungsverbot hat auch die Jahreszeit dazu veranlasst, sich nicht mehr zu verändern

Früher hieß Stagnazien einmal Wandela und war das Zentrum der positiven Veränderung. Als Zeichen seiner Macht hat der Stagnator, als er das Land einnahm, Wandela in Stagnazien umbenannt. Von hier aus entsendet er seine Routine-Truppen in die Länder des Kontinents, um die Weltherrschaft an sich zu reißen und jede Veränderung im Keim zu ersticken. Der Großteil der stagnazischen Bevölkerung ist träge und hat jegliches Motivationsgefühl verloren, sie folgt dem Stagnator wie Marionetten. Wenn es keine Veränderung gibt, wird das Land dem Untergang geweiht sein.